Materialismus und Achtsamkeit
Die materielle Welt ist zweifelsohne ein bedeutsamer Teil unserer erlebten Realität. Die Stofflichkeit unseres Daseins ist das Unmittelbarste unseres phänomenologischen Erlebens.
Wir erleben Welt in und durch die Grenzen und Veränderungen von Materialität. Unser phänomenologisches Selbstmodell, also „wie es sich anfühlt einen Körper zu haben“, entsteht durch die Simulation einer konstanten Erfahrung von innerer, körperlicher Welt, begrenzt durch unsere Haut, im Kontrast zur äußeren Welt. In diversen Experimenten können wir den konstruktiven Charakter dieser uns so vertrauten Erfahrung aufzeigen.
Wenn unser Körper also in Wahrheit keine harten, sondern nur weiche Grenzen hat — was hat das als handelnder, interagierender Körper für Auswirkungen? In bestimmten Techniken der Meditation, der bewusstseinserweiternden Praxis aber auch am Beispiel von Out-of-body-experiences wird die Fluidität unseres Geistes und das Fließen von Materialität erfahrbar.
Die uns umgebende Welt, die Dinge, die wir benutzen, die Gegenstände, zu denen wir Kontakt aufnehmen, werden nicht nur durch uns geformt, sondern sie formen rückwirkend ebenso auch uns. Am deutlichsten wird dies am Akt des Essens; es gibt keinen unmittelbareren Ausdruck, uns Welt anzueignen, zu „verdauen“ und daraus entstehend wieder tätig zu sein, Neues zu erschaffen.
Wir sollten uns diese Tatsache mit eben jener Sensibilität bewusst machen, die es erfordert, um in dieser konsumistischen Welt wirklich bewusst die Gegenstände zu wählen, von denen wir durch das Leben begleitet werden wollen. Selbstfürsorge ist untrennbar verbunden mit der Fürsorge für andere.
