Die Frage, was es bedeutet,
Mensch zu sein.
Mein Leben lang begleitet mich die Frage, was es mit diesem „Menschsein“ eigentlich auf sich hat.
Einfach nur zu sein, klingt zunächst leicht. Vielleicht ist es sogar ein gutes Rezept für ein stimmiges Leben. Und doch ist auch das Sein nicht so einfach.
Viele Menschen erleben, dass sie vor allem funktionieren, sich anpassen oder versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Sie kümmern sich um vieles – und verlieren dabei mitunter den Kontakt zu sich selbst.
Wir sind auf engste Weise mit anderen Menschen verbunden, auf sie bezogen und durch sie geprägt. Ohne ein „Du“ lässt sich auch das eigene „Ich“ kaum erfahren.
Wie sehr wir auf Zuwendung, Resonanz, Berührung, Anerkennung und Liebe angewiesen sind, habe ich nicht nur durch mein Studium und meine Ausbildungen verstanden, sondern auch durch meine eigene Lebensgeschichte. Die Erfahrung, dass Einsicht allein oft nicht genügt und Veränderung erst dort möglich wird, wo wir uns unserem eigenen Erleben wirklich zuwenden, prägt meinen Blick auf Menschen und Therapie bis heute.
Beziehung, Verletzung und Entwicklung
Kein Reifungsprozess verläuft ohne Irritationen, Konflikte und emotionale Verletzungen. Sie gehören zu zwischenmenschlichen Beziehungen dazu.
Entscheidend ist, wie wir lernen, mit ihnen umzugehen.
Viele Menschen entwickeln früh Strategien, um Beziehungen zu sichern, Schmerz zu vermeiden oder im Alltag weiter zu funktionieren. Sie lernen, stark zu sein, sich anzupassen, Kontrolle zu behalten, Konflikte zu vermeiden oder eigene Bedürfnisse zurückzustellen.
Diese Strategien sind nicht einfach falsch. Häufig waren sie einmal notwendig. Sie haben geholfen, mit schwierigen Situationen umzugehen und das eigene innere Gleichgewicht zu bewahren. Doch wenn sie sich verfestigen, können sie uns heute daran hindern, uns selbst und anderen wirklich zu begegnen.
Der Mut, sich dem eigenen Erleben zuzuwenden.
Veränderung beginnt dort, wo wir bereit werden, uns dem zuzuwenden, was wir bisher vermeiden, kontrollieren oder nur gedanklich verstehen konnten.
Dabei geht es nicht darum, Schutzmechanismen zu bekämpfen. Sie haben meist einen guten Grund. Es geht vielmehr darum, ihre Funktion zu verstehen und zu erkennen, wann sie uns heute noch schützen – und wann sie uns begrenzen.
Für mich selbst war dieser Weg eine entscheidende Abzweigung. Er hat mein Verhältnis zu Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung verändert und mein Verständnis davon geprägt, wie nachhaltige Veränderung entstehen kann.
Was meine Arbeit prägt
Diese Erfahrungen prägen meine Arbeit bis heute.
Ich möchte Menschen darin unterstützen, sich selbst ehrlicher zu begegnen, sich tiefer zu verstehen und neue Erfahrungen mit sich selbst und anderen zu machen. Dabei verbinde ich systemische Perspektiven mit psychologischem Wissen, psychoanalytischen Gedanken und philosophischer Reflexion.
Ich arbeite ruhig, aufmerksam und mit einem Blick für die Details, die im Erleben oft leicht übersehen werden. Dabei verbinde ich Klarheit mit einer wertschätzenden, tragfähigen Beziehung. Wenn es für den therapeutischen Prozess wichtig ist, spreche ich auch Widersprüche, Vermeidungsstrategien oder belastende Muster an. Ich bin überzeugt, dass Wertschätzung und ehrliche Konfrontation einander ergänzen und Entwicklung erst in diesem Zusammenspiel möglich wird.
So entsteht ein Raum, in dem auch schwierige Themen ihren Platz haben dürfen – nicht, um sie möglichst schnell zu beseitigen, sondern um sie zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen zu entwickeln.
